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Welche Motivationsforschung gibt es für Deutsch als Fremdsprache?

Evidence-based answer · Last updated · How it’s made

The short answer

Es gibt eine substanzielle Forschung zur Motivation beim Deutschlernen als Fremdsprache (DaF), die überwiegend auf Dörnyeis "L2 Motivational Self System" (L2MSS) aufbaut und Lernende in Ungarn, Iran, China, Dänemark, Polen, den USA und anderen Ländern untersucht. Die Kernbefunde zeigen, dass die "Lernerfahrung" (also wie angenehm und erfolgreich der Unterricht erlebt wird) meist der stärkste Motivationsfaktor ist, gefolgt vom "Idealselbst" (der Vorstellung, wie man als kompetenter Deutschsprecher sein möchte), während äußerer Druck ("Ought-to-Self") eine schwächere und teils sogar negative Rolle spielt.

Answered for language learning in general. No specific language was set for this question, so the findings are drawn from general second-language research rather than one language’s literature.

Lernerfahrung als stärkster Motivationsfaktor bei Deutsch

In mehreren Studien zu Deutsch als Fremd- oder Zusatzsprache erwies sich die 'Lernerfahrung' (also die Qualität von Unterricht, Lehrperson und Lernatmosphäre) als der stärkste oder zumindest sehr starke Vorhersagefaktor für die Lernmotivation und den beabsichtigten Lernaufwand - stärker als etwa gesellschaftlicher Druck.4,7,11,12,13

In plain terms

Mit 'Lernerfahrung' ist gemeint, wie angenehm, erfolgreich und unterstützend der bisherige Sprachunterricht erlebt wurde - also z.B. die Beziehung zur Lehrkraft, das Gefühl von Fortschritt und die Klassenatmosphäre. Das ist einer von drei Bausteinen des einflussreichen Motivationsmodells 'L2 Motivational Self System' von Dörnyei, das in fast allen hier genannten Studien als theoretischer Rahmen dient.

Ideal-Selbst treibt Motivation an

Die Vorstellung, in Zukunft ein kompetenter, selbstbewusster Deutschsprecher zu sein (das sogenannte 'Idealselbst'), hängt in mehreren Studien positiv mit Lernaufwand und Bereitschaft zur Kommunikation zusammen und motiviert stärker als extern aufgezwungene Erwartungen.5,6,9,13

In plain terms

Das 'Idealselbst' bezeichnet das Bild, das sich Lernende von der Person machen, die sie in der Fremdsprache gerne wären - etwa 'Ich stelle mir vor, wie ich fließend mit deutschen Muttersprachlern spreche'. Dieses Bild kann als Zugkraft wirken, die zum Weiterlernen motiviert.

Instrumentelle Motive besonders in Iran und China wichtig

Bei iranischen und chinesischen Deutschlernenden spielten praktische, nutzenorientierte Gründe (z. B. Karrierechancen, Studienzulassung) eine besonders große Rolle für die Motivation - in Iran wurde dies sogar als entscheidender Faktor für die Selbstwahrnehmung der Lernenden beschrieben.3,5,6,7

Außerschulische Aktivitäten stärken Motivation, werden aber selten genutzt

Eine Studie unter ungarischen Sekundarschülern fand, dass digitale und interaktive Aktivitäten außerhalb des Unterrichts (z. B. deutschsprachige Medien konsumieren, mit Deutschsprechenden auf Social Media interagieren) die Motivation positiv beeinflussen, aber insgesamt selten praktiziert werden. Zudem gab es Geschlechterunterschiede in der Häufigkeit solcher Aktivitäten.1,2

Example

Konkret könnte das bedeuten: Ein Schüler, der regelmäßig deutsche YouTube-Videos schaut oder mit deutschen Jugendlichen online chattet, zeigt tendenziell mehr Motivation, weiter Deutsch zu lernen, als jemand, der Deutsch nur im Klassenzimmer erlebt.

Motivation zum Weiterlernen hängt von Zukunftsvision und Angst ab

Bei US-amerikanischen Deutschlernenden zeigten diejenigen, die beabsichtigten, über die Pflichtanforderung hinaus Deutsch zu studieren, ein stärkeres Idealselbst, eine ausgeprägtere Abgrenzung von unerwünschten Zukunftsbildern ('Anti-Ought-to-Self') und mehr Kommunikationsbereitschaft. Wer aufhören wollte, nannte vor allem die reine Pflichtanforderung als Grund weiterzumachen gewesen zu sein.9

In plain terms

Der 'Anti-Ought-to-Self' beschreibt die Vorstellung, wer man auf keinen Fall werden möchte - etwa jemand, der nie eine Fremdsprache gesprochen hat. Diese Abgrenzung kann ebenso motivierend wirken wie eine positive Zukunftsvision.

Meta-Analyse bestätigt Modell, aber mit Einschränkungen

Eine große Meta-Analyse über viele Studien zum L2 Motivational Self System (nicht nur Deutsch, sondern verschiedene Fremdsprachen) fand, dass Idealselbst und Lernerfahrung recht stark mit dem beabsichtigten Lernaufwand zusammenhängen, aber deutlich schwächer mit tatsächlichen Lernerfolgen (z. B. Noten oder Testergebnissen). Der 'Ought-to-Self' zeigte kaum einen Zusammenhang mit echten Leistungen.8

In plain terms

Das bedeutet: Motivation sagt relativ gut vorher, wie sehr sich jemand vornimmt zu lernen - aber viel weniger gut, wie erfolgreich diese Person am Ende tatsächlich wird. Zwischen Absicht und Ergebnis liegen offenbar viele andere Einflussfaktoren.

Deutsch wird als anspruchsvoll, aber emotional bedeutsam erlebt

Studierende, die Deutsch als Hauptfach studieren, beschreiben die Sprache häufig als anspruchsvoll, aber logisch und gut strukturiert, und zeigen dabei teils ambivalente, aber intensive Gefühle gegenüber der Sprache - stärker emotional gefärbt als bei anderen untersuchten Fremdsprachen.10

Deutschklassen werden oft als angenehmer erlebt als Englischklassen

Im Vergleich zu Englisch als Fremdsprache berichteten Lernende von Deutsch, Französisch und Spanisch (zusammengefasst als 'weniger häufig unterrichtete Sprachen') von etwas mehr Freude am Unterricht und positiveren Einstellungen zur Lernsituation, jedoch von geringerer wahrgenommener praktischer Nützlichkeit der Sprache im Vergleich zu Englisch.14

What to do with this

Aus der Forschung lassen sich für DaF-Lehrende und -Lernende folgende Ansatzpunkte ableiten: Da die Lernerfahrung (Unterrichtsqualität, Lehrer-Schüler-Beziehung, Erfolgserlebnisse) durchgängig der stärkste Motivationsfaktor ist, lohnt es sich, in eine unterstützende, ermutigende Lernatmosphäre und in die Beziehung zur Lehrkraft zu investieren - etwa durch private Nachhilfe oder gut geführte Gruppenkurse mit engagierten Lehrkräften. Da digitale außerschulische Aktivitäten (deutschsprachige Medien, Austausch mit Muttersprachlern) die Motivation nachweislich steigern, sollten Lernende aktiv Immersion und Sprachaustausch in ihren Alltag einbauen, auch wenn diese laut Forschung oft zu selten genutzt werden. Da eine klare, konkrete Zukunftsvision (das Idealselbst) den Lernaufwand vorhersagt, kann es helfen, sich bewusst vorzustellen, wofür man Deutsch später nutzen möchte - etwa im Beruf oder im direkten Kontakt mit deutschsprachigen Communities - statt sich nur auf Pflichtanforderungen zu verlassen.

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Worth knowing

  • Die meisten Studien basieren auf Fragebogen-Selbstauskünften einzelner Lernergruppen (z.
  • B. ungarische, iranische oder chinesische Studierende) und lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle DaF-Lernenden weltweit übertragen.
  • Zudem zeigt die Meta-Analyse, dass der Zusammenhang zwischen Motivation und tatsächlichem Lernerfolg (im Gegensatz zu bloßer Lernabsicht) deutlich schwächer und weniger gut belegt ist als der Zusammenhang zwischen Motivation und Absicht.
  • Viele Studien nutzen dasselbe theoretische Modell (Dörnyeis L2MSS), was den Blickwinkel der Forschung insgesamt einengt und andere mögliche Erklärungsansätze für Motivation seltener berücksichtigt.

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See plans

  1. [1]Balázs Fajt. Extramural German Activities and Motivation to Learn German as a Foreign Language in the Secondary Education Context. Special Issue: Self-Access and Self-Directed Language Learning in Europe 2024. doi.org/10.37237/150203
  2. [2]Balázs Fajt. Extramural German Activities and Motivation to Learn German as a Foreign Language in the Secondary Education Contex. Studies in Self-Access Learning Journal 2024. doi.org/https://doi.org/10.37237/150203
  3. [3]Mirjam Gebauer , Aase Voldgaard Larsen, Anne Grethe Julius Pedersen, Simon Holleufer, Ida Vejnø. Tysk som tillægskompetence – lærendes motivation, behov og erfaringer. Globe 2024. doi.org/10.54337/ojs.globe.v18i.9890
  4. [4]Shu-Chen Huang. Learning experience reigns – Taiwanese learners’ motivation in learning eight additional languages as compared to English. Journal of Multilingual and Multicultural Development 2019. doi.org/10.1080/01434632.2019.1571069
  5. [5]N. Haghani, M. Maleki. “L2 Motivational Self System” and Learning German in Iran. Journal of Education and Learning 2018. doi.org/10.5539/JEL.V7N4P136
  6. [6]Haghani, Nader, Maleki, Mostafa. "L2 Motivational Self System" and Learning German in Iran. Journal of Education and Learning 2018. https://eric.ed.gov/?id=EJ1179652
  7. [7]Yu Chen, Dan Zhao, Shen Qi. Chinese students’ motivation for learning German and French in an intensive non-degree programme. Círculo de Lingüística Aplicada a la Comunicación 2021. doi.org/10.5209/clac.75497
  8. [8]Ali H. Al‐Hoorie. The L2 motivational self system: A meta-analysis. Studies in Second Language Learning and Teaching 2018. doi.org/10.14746/ssllt.2018.8.4.2
  9. [9]Megan Wadas, Julia Goetze, Carrie Jackson. Going Above and Beyond: Motivations of L2 German Learners to (Dis)continue Language Study. Unterrichtspraxis/Teaching German 2024. doi.org/10.1111/tger.12274
  10. [10]Agata Wolanin. “I Feel Like I’m a Different Person”: Exploring Undergraduate Students’ Imagined L2 Selves. Theory and Practice of Second Language Acquisition 2025. doi.org/10.31261/TAPSLA.15909
  11. [11]Magdalyne Akiding, Paula Winke. L2 Motivation, Anxiety, and Intended Effort among Learners of African Languages in the United States. Foreign Language Annals 2025. doi.org/10.1111/flan.70033
  12. [12]Judit Kormos, Kata Csizér. The Interaction of Motivation, Self‐Regulatory Strategies, and Autonomous Learning Behavior in Different Learner Groups. TESOL Quarterly 2013. doi.org/10.1002/tesq.129
  13. [13]Tianyi Wang, Yongcan Liu. Dynamic L3 selves: a longitudinal study of five university L3 learners’ motivational trajectories in China. Language Learning Journal 2017. doi.org/10.1080/09571736.2017.1375549
  14. [14]Jean–Marc Dewaele, Kazuya Saito. Are enjoyment, anxiety and attitudes/motivation different in English foreign language classes compared to LOTE classes?. Studies in Second Language Learning and Teaching 2024. doi.org/10.14746/ssllt.42376